Sex sells? Erfahrungsbericht ePublishing erotischer Texte via Kindle

Irgendwo habe ich gelesen, dass erotische Texte beim neuen Kindle E-Book-Publishing gut laufen würden. Sex sells. Warum also nicht meine Kurzgeschichten, die sich seit Jahren auf meinem Rechner angesammelt haben, zusammenstellen und als E-Book veröffentlichen?

Gedacht, getan. 75 Normseiten kamen bei den 8 Geschichten zusammen. Nun das wirklich Schwierige: wie sollte ich als technisch kompletter Nixblicker diese Aktion bewerkstelligen? Was macht frau in einem solchen Fall? Sie sucht sich Hilfe. Durch seinen Bericht im Literaturcafe kannte ich Matthias Matting und fragte ihn, ob er bereit wäre, gegen eine Gewinnbeteiligung, das ganze technische Procedere für mich zu übernehmen. Er wollte. Diesen Service bietet er unter AO-Edition.de auch anderen Autoren an, die ihre eigenen Texte als E-Book veröffentlichen wollen.

Ein weiterer Vorteil: auf seiner Seite verlinkt er das erstellte E-Book und einer der wichtigen Multiplikatoren für die Verbreitung ist gefunden.

Erstes Problem: das Cover. Matthias Matting schlug vor, bei Flickr ein Foto auszusuchen und dann den Fotografen um kostenfreie Nutzungsgenehmigung zu ersuchen. Ich klickte mich durch hunderte von Fotos, die für mich teilweise wenig mit den von mir angegeben Suchbegriffen (Sex, Erotik, Lust) zu tun hatten. Schließlich fand ich eines. Vier Männerhände auf dem sinnlichen Körper einer südländischen Schönen. Matthias Matting schrieb in Spanisch eine Mail an den Fotografen (der Venezolaner ist) und wir warteten gespannt auf seine Antwort.

Vorab legte ich bei Amazons Author Central meine eigens dazu geschaffene E-Mail-Adresse ab. Ein Autorenprofil einzugeben war noch nicht möglich, da das Buch noch nicht online gestellt war.

Dann noch einen Werbetext für das Buch geschrieben und weiter geht’s mit Warten.

Ein Tag später, noch immer keine Antwort vom Venezolaner. Ich schaue nach Alternativen und finde ein ansprechendes Bild von einem Griechen. Das Bild gefällt Matthias Matting als Mann nicht. Ich wähle weiter unter tausenden und finde ein Foto, das keinen Mann kalt lassen dürfte. Es findet Zustimmung und Matthias bastelt ein tolles Cover daraus. Doch auch hier heißt es wieder, die Fotografin, eine Engländerin diesmal, anzuschreiben. Die Antwort ist schon wenige Stunden später da. Sie gibt uns die Erlaubnis gern, fragt aber an, ob nicht auch die Zustimmung des Modells eingeholt werden sollte. Sicherheitshalber ja, entscheiden wir.

Matthias Matting schickt mir meine Datei mit der Bitte um Durchsicht, seiner Meinung nach sollte ich wegen der besseren Lesbarkeit noch ein paar Absätze einfügen. Um sie als Nicht-Kindle-Besitzerin lesen zu können, muss ich, erfahre ich, bei Amazon eine App herunterladen (kostenlos), was ich tue. Danach bittet mich die Kindle-App um meine Amazon-Anmeldeinformationen. Die bei Authorcentral hinterlegten Daten genügen nicht - es müssen die Daten sein, unter der ich sonst auch bei Amazon einkaufe, darauf weist mich Matthias Matting hin. Ich ändere es und kann jetzt die Kindle-Datei mit meinen Geschichten auf dem Laptop anschauen. Ich finde, mehr Absätze brauchen die Geschichten nicht.

Matthias Matting stellt das fertige E-Book schonmal als Entwurf ein, jetzt brauchen wir nur noch das O.K. wegen des Covers. Das Warten macht mich ganz hibbelig; ich will mein Buch so schnell wie möglich auf den Markt schicken. Sicher haben noch andere die Idee, auf den Erotik-Zug aufzuspringen.

Die Fotografin will eine schriftliche Zustimmung des Modells einholen, sie will meine Adresse als Sicherheit und den Titel des Buches. Ich schicke ihr das Gewünschte. Sicher ist sicher.

Matthias fragt, ob wir das Buch außer in Amazons Kindle-Laden auch als ePub und bei iTunes veröffentlichen sollen, ich frage zurück, was das ist und erfahre, dass es auch von Apple einen iBookstore gibt, zudem Anbieter wie libri.de, weltbild.de, buecher.de und thalia.de, die E-Books im ePub-Format verkaufen. Ich frage, ob es da keine Überschneidung mit den Rechten bei der Amazon-Kindle-Veröffentlichung gibt. Matthias beruhigt mich. Allerdings kostet eine ISBN, die ich für die Veröffentlichung bei iTunes brauche, einmalig 80 €. Wenn ich einen Dienstleister wie Smashwords oder ePubli bemühe, brauche ich zwar nicht unbedingt eine US-Steuernummer, es wird aber eine zusätzliche Provision von meist 10% fällig, ich bekomme also nur noch 60 Prozent der Nettoeinnahmen. ISBNs sind hier meist für eine Jahresgebühr zu bekommen. Ob ich mir da nicht zu viel zumute? Wiegen die Erlöse aus den Verkäufen die Kosten auf? Matthias Matting ist davon überzeugt, will es selbst bei seinem nächsten Buch ausprobieren.

Am 27.06. spätabends wird das Buch eingestellt, am 28.06., vormittags, ist es über den Online-Shop zu beziehen. Schon am Abend steht es in der Rubrik „Erotik“ auf Platz 27. Es bewegt sich dann sogar noch bis auf Platz 15 nach unten. Verkaufszahlen erhalte ich von Amazon allerdings noch nicht. Der Ranglistenplatz springt leicht rauf und runter, bewegt sich aber immer unter den ersten 30. Ich bin zufrieden. Leider ist noch keine Rezension eingestellt. Ob die Leser sich nicht als Fans von derartiger Literatur „outen“ wollen?
Auch am 29.06., früh um 10 Uhr, keine Änderung an der Ranglistenfront. Es wird über 3 Ranglisten platziert:

* Nr. 19 in Kindle-Shop > eBooks > Belletristik > Erotik
* Nr. 20 in Kindle-Shop > eBooks > Erotik > Romane & Erzählungen
* Nr. 82 in Bücher > Belletristik > Erotik

Mittlerweile konnte ich ein gewisses Interesse in den zwei Foren, in denen ich aktiv unterwegs bin, wecken. Ich erhalte PNs mit Anfragen zum Buch, das ich wegen der Wahrung des Pseudonyms nicht direkt vermarkten kann. Mein Autorenname soll nicht ohne weiteres mit meinem Erotik-Autoren-Pseudonym in Verbindung gebracht werden. Das ist zwar schade, weil mir dadurch direkte Werbemöglichkeiten verloren gehen, aber so ist es nun mal, wenn man nicht will, dass die Familie, die Nachbarn und Kollegen von den eigenen erotischen Phantasien Kenntnis erhalten oder gar meinen, alles, was man da geschrieben hat, habe man auch erlebt.

Vielleicht lege ich bei npage, wo auch meine Autorenhomepage beheimatet ist, sogar noch eine „erotische“ Seite für mein Pseudonym an. Schließlich will ich die Marke „Svenja Ros“ ja noch ausbauen; mein Nachfolgebuch – ein Kurzroman – steht vor der Vollendung.

Nun weiß ich auch – dank Matthias – wie ich an die Verkaufszahlen komme und – bin geschockt! Erst 4 (in Worten VIER) verkaufte Exemplare! Angesichts der Platzierung hatte ich mit mindestens dem Zehnfachen gerechnet! Nun, ja, kann ja nur besser werden.

Heute, 30.06., 48 Stunden nach dem online-Gehen des Buches, sind es erst 6 verkaufte Exemplare, aber ich habe bei der Büchereule von einem Autoren-Kollegen eine sehr positive Bewertung erhalten. „Ich kann es jedem, der an gut geschriebener Erotik Freude hat, bestens empfehlen.“ Vielleicht entschließen sich ja nun ein paar andere auch noch zum Kauf.

Vorsicht, wild! von Svenja Ros

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