E-Books selbst gemacht: Ihr Buch ist veröffentlicht – was nun?

Sie haben die Geschichte Ihres Lebens fertiggeschrieben. Spannende Wendungen, faszinierende Charaktere und witzige Dialoge. Sie haben alle Tippfehler ausgemerzt und haben Ihr E-Book so formatiert, dass der Leser es optimal auf seinen Kindle-Bildschirm angezeigt bekommt. Sie haben Ihr Werk bei Amazon hochgeladen, Preis und Tantieme festgesetzt.

Schließlich hat sich der Veröffentlichungsstatus von »Wird überprüft« in »Live« verwandelt – ist Ihr Job als Autor damit beendet? Im Gegenteil – jetzt beginnt der schwierigste Teil, denn Sie müssen nun die Aufgaben stemmen, die Ihnen sonst ein Verlag abnimmt (oder abnehmen sollte, gespart wird ja überall).

Wenn Ihr Buch erstmals live bei Amazon erscheint, ist das schön für Sie als Autor – gekauft wird es trotzdem nicht. Denn niemand merkt, dass es da ist. Amazon führt zwar eine Liste der Neuerscheinungen, doch welche Bücher dort aufgenommen werden, verrät die Firma nicht.

Erstes Ziel: Die Hitliste der am meisten verkauften Bücher

Viele unabhängige Autoren sind dort nicht zu finden. Ihr erstes Ziel muss deshalb darin bestehen, die Hitliste der meistverkauften Bücher zu erreichen. Idealerweise die allgemeine Top100, doch es hilft auch schon, zumindest in den beiden Rubriken-Listen vorn zu sein, in die Sie Ihr Buch eingeordnet haben (Erotik-Bücher hält Amazon übrigens aus den allgemeinen Top100 heraus). Dazu benötigen Sie zunächst nur wenige Downloads – es spricht ja nichts dagegen, das zu tun, was auch jeder Print-Autor so hält: Verwandte und Freunde auf das eigene Werk hinzuweisen. Mit zehn Downloads, so die Erfahrung des Autors, gehört man meist schon zur Spitzengruppe in einer Rubrik und taucht auch in den allgemeinen Top100 auf (etwa Platz 75-100).

Aber übertreiben Sie es mit der Werbung nicht: Diskussionsforen vollzuspammen, hat meist den gegenteiligen Effekt. Bringen Sie Ihr Buch dort an, wo es passt – das gilt auch für Twitter und Facebook.

Suchen und gefunden werden

Der zweite Weg, ein Buch zu finden, führt den Leser über die Suchfunktion. Das heißt, Sie müssen die Amazon-Algorithmen füttern.

Zum einen mit aussagekräftiger Beschreibung und optimalem Buchtitel, zum anderen mit Tags. Das sind Schlüsselworte, die jeder Leser (also auch Sie) Ihrem Buch hinzufügen kann.

Achtung, Amazon Deutschland nutzt die während des Publizierens eingegebenen Keywords nicht. Umso wichtiger sind die vom Leser vergebenen Tags. Dabei kommt es darauf an, dass die Tags von möglichst vielen anderen Lesern per Mausklick bestätigt werden. In den US-Support-Foren finden sich schon die Autoren zusammen, um sich die Tags gegenseitig zu bestätigen.

Wenn der Leser Ihr Buch gefunden hat, ist er gerade bei einem Erstautor und Preisen über einem Euro verständlicherweise vorsichtig. Er möchte Informationen über Sie und Ihr Buch.

Sie haben hoffentlich schon eine Autorenseite angelegt (authorcentral.amazon.de), mit Bild und Lebenslauf.
Vom richtigen Umgang mit Rezensionen

Mehr als Ihrer eigenen Werbung glaubt der Leser jedoch Rezensionen anderer Leser. Geben Sie nicht der Versuchung nach, Ihr Buch selbst zu besprechen. Vermutlich merkt das niemand, aber wenn es doch auffällt, ist es um so peinlicher für Sie. Fragen Sie Bekannte nach ihrer ehrlichen Meinung. Versuchen Sie nicht, reine Jubel-Kritiken zu sammeln – das fällt spätestens dann auf, wenn die ersten »richtigen« Leser von Ihrem Buch enttäuscht sind. Und enttäuschte Leser sind die schwierigsten Kritiker! Ein paar Ein-Stern-Bewertungen ziehen Ihren Schnitt dauerhaft nach unten. Aber da Sie alle E-Buch-Tipps berücksichtigt haben, werden Sie sich zumindest miese Formatierung und mangelhafte Rechtschreibung nicht vorwerfen lassen müssen.

Kommt es doch einmal zu einer harschen Kritik, reagieren Sie nicht eingeschnappt. Kommentieren Sie die Besprechung, machen Sie auf eventuelle Irrtümer aufmerksam, äußern Sie Verständnis und korrigieren Sie eventuelle Fehler (das geht über KDP ja fix). Ideal, wenn Sie die Korrektur gleich in Ihrer Reaktion vermelden können. Selbst wenn offensichtlich ein Konkurrent Ihnen einen Minuspunkt verpassen wollte (solche unfeinen Methoden gibt es leider) – bleiben Sie gelassen und ruhig, dann erscheinen Sie als moralischer Sieger. Lassen Sie sich auch nicht zu einer ebenso unfeinen »Gegen-Rezension« des Konkurrenz-Werks hinreißen.

Vorsicht: Die Buchpreisbindung gilt auch für Selbstverleger

Eine weitere Falle ist die in Deutschland geltende Buch-Preisbindung: Eigentlich dürfen Verlage (und dazu zählen auch Self-Publisher) den einmal festgesetzten Preis erst nach 18 Monaten senken – das BuchPrG gilt ebenso für E-Books. Der Justiziar des Börsenvereins des deutschen Buchhandels gab uns diesbezüglich zwar Entwarnung – es sei rechtlich zulässig, den Preis eines Buchs zu heben oder zu senken, wenn die Marktverhältnisse das erfordern. Aber in der Welt des Rechts geht es bekanntlich zu wie auf hoher See – andere Juristen sind hier anderer Meinung. Ich wäre deshalb zumindest vorsichtig. Wichtig ist aber, und das betont auch der Börsenverein, dass das Buch zu jeder Zeit bei allen Anbietern gleich viel kosten muss. Ein Preis bei Amazon, ein anderer in Apples Buchladen, das wäre definitiv unzulässig.

Die Mechanismen von Amazons Kindle-Top100

Wenn Ihr Buch trotz all der Tipps nicht wie erwartet laufen sollte, können Sie auch über eine Preissenkung nachdenken. Aber Achtung: Bei Preisen unter 2,99 Euro verdienen Sie nur noch 35 Prozent des Nettoerlöses. Sie müssen also fünfmal mehr verkaufen, um diese Preissenkung aufzufangen. Ist das realistisch? Zur Beurteilung ist es wichtig, hinter die Mechanismen der Top100 zu blicken. Über meine eigenen Platzierungen und befreundete Autoren habe ich dies rückgeschlossen.

1. Amazon basiert die Berechnung primär auf dem Umsatz, nicht auf den Downloadzahlen (Hinweis: Auf Platz 2 hatte mein Buch nur halb so viele Downloads wie ein anderes Buch auf Platz 7). Vermutlich wäre sonst die Top10 von 99-Cent-Billigtiteln dominiert.
2. Die Kurve zwischen Platz 100 und 25 verläuft annähernd linear, dadurch springt man mit wenigen Downloads resp. wenig Umsatz ziemlich oft hin und her.
3. Ob ein niedrigerer Preis einen Sprung in der Hitliste bewirkt, ist nicht gesagt. Bei halbiertem Preis braucht man für denselben Listenplatz doppelt so viele Käufer.
4. The winner takes it all: Das Prinzip, das man auch von Google-Suchergebnissen kennt. Erst auf den vorderen Plätzen bringt ein Sprung in der Hitliste überproportional bessere Verkaufszahlen.

Und wie wäre es mit einer Preiserhöhung? Es könnte ganz clever sein, sich mit einer Art Einführungspreis eine gute Sichtbarkeit bei Amazon zu erkämpfen, um dann auf einen höheren Preis umzuschalten. Das toleriert der Leser durchaus – anders herum könnten sich die Erstleser übervorteilt fühlen, wenn sie mehr für Ihr Buch zahlen mussten als nachfolgende Leser. Alle Preis-Schrauben sind allerdings vorbehaltlich einer abschließenden Bewertung im Hinblick auf die oben thematisierte deutsche Buchpreisbinding zu beurteilen, die es heute noch nicht gibt. Als Autor wäre ich nicht darauf erpicht, hier ausgerechnet den Präzedenzfall zu schaffen. Historisch gesehen wäre das natürlich ruhmvoll …

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