Wie man ein eigenes Kindle-Wörterbuch schreibt

Kindle-Wörterbücher können mehr, als der Name verrät - und sind relativ simpel selbst anzufertigen.

Kindle-Besitzern ist einer der nützlichsten Tricks ihres eReaders sicher schon aufgefallen: Wenn man den Cursor vor ein Wort bewegt, erscheint - je nach der Wortstellung auf der Seite - am oberen oder unteren Seitenrand ein Feld mit nützlichen Erläuterungen. Welche Hinweise dort zu finden sind, hängt von zwei Einstellungen ab: Dem „primary directory“ (MENU -> Settings -> MENU -> Change primary directory) und der Sprache des Buchs (die der Herausgeber festgelegt hat). In einem deutschen Buch werden also keine Übersetzungen Englisch-Deutsch angezeigt, auch wenn als primäres Directory ein englisch-deutsches Wörterbuch eingestellt ist.

Der Aufbau eines solchen Wörterbuchs ist überraschend simpel. So simpel, dass mit Hilfe des Mobipocket Creator (www.mobipocket.com) im Prinzip jeder Kindle-Nutzer eigene Wörterbücher anlegen kann. Dabei ist der Begriff sehr weit gefasst - jegliches Wissen, das indizierbar ist, eignet sich als „Wörterbuch“. So könnte man zum Beispiel auch die Rezeptsammlung der Oma, eine Liste der Lieblings-Websites, ein Spezialwörterbuch (wie wäre es mit Deutsch-Klingonisch?) oder die eigene Adresskartei auf diese Weise anlegen. Andere nutzen diese Option, um frei verfügbare Wortdateien (etwa vom Wiktionary) in Kindle-eBooks umzuwandeln und zu verkaufen. „Wörterbücher“, um trotzdem bei diesem Namen zu bleiben, haben im Vergleich zu normalen Kindle-eBooks den Vorteil, dass sie von überall her zu durchsuchen sind, also auch aus anderen Kindle-Büchern heraus, wenn man als Suchoption „dictionary“ wählt.

Zum Anlegen des Grundgerüsts nutzt man am besten den Mobipocket Creator. Unter „Create New Publication“ gibt es dort die Option „Personal Dictionary/Glossary“. Anschließend muss man nur noch die eigentlichen Inhalte hinzufügen - am besten in Form einer HTML-Datei. Mit ein paar Formatierungen sieht diese dann auch noch einigermaßen vernünftig aus. Gehen wir den prinzipiellen Aufbau durch: Nach dem obligatorischen Body-Tag folgen die einzelnen Einträge in dieser Form (Erläuterungen in kursiv):


<mbp:pagebreak>
beginnt eine neue Seite
<idx:entry>
Signalisiert, dass ein Wörterbuch-Eintrag startet
<div><h2>
Formatierung für den Eintrag (hier können Sie auch andere HTML-Tags verwenden)
<idx:orth>
Tag für das Suchwort (key)
dictionary
Der Begriff selbst
</idx:orth>
Schließender Tag für das Suchwort
</h2></div><br><div>
Formatierung (hier auch andere HTML-Tags)
Wörterbuch
Übersetzung / Erläuterung des Suchworts - Achtung: Verwenden Sie statt der deutschen Umlaute die korrekten HTML-Entitäten
</div>
Formatierung
</idx:entry>
Ende des Eintrags

Diese Folge wiederholt sich für jeden Eintrag in Ihrem Wörterbuch. Bei umfangreicheren Listen (etwa freien Wortlisten aus dem Netz, die man in ein Wörterbuch für den Kindle umwandeln will) empfiehlt sich, den Prozess zu automatisieren. Manchmal reicht dafür schon die Suchen&Ersetzen-Funktion, manchmal muss man sich (wie bei meinem „Großen Wörterbuch Englisch-Deutsch mit 250.000 Einträgen“) ein kleines Programm schreiben.

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